Wuppertal. „Ostern ist ein mühsam zu glaubendes Glück.“ Das sagt Pfarrerin Antje Menn in ihrer Osterpredigt. Die Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland hält am Ostersonntag, 5. April 2026, 10.30 Uhr, den Familiengottesdienst in der Evangelisch-reformierten Kirche Schöller im Wuppertaler Westen.
In ihrer Predigt begleitet Antje Menn gedanklich die Frauen, die laut Markusevangelium am Ostermorgen zum Grab des gekreuzigten Jesus gehen, um seinen Leichnam einzubalsamieren. Besorgt, wer ihnen den schweren Stein vor dem Grab beiseiterollt, sind sie erschreckt, als sie dort ankommen: Der Stein ist verschoben, im Grab fehlt der Leichnam, stattdessen sitzt dort ein Bote Gottes, der ihnen von der Auferstehung Jesu Christi berichtet.
Die Frauen am leeren Grab reagieren skeptisch
Den Frauen, so Antje Menn, geht das zu schnell: Erst ist der große Stein weg, dann das leere Grab und statt des Freundes und Lehrers ein Gottesbote in weißem Gewand. Das alles beruhige nicht gerade – und ist auch noch kein Beweis für die Auferstehung Jesu. „Die Auferstehung, das zeigt die skeptische Reaktion der Frauen, ist eher ein mühevoll zu glaubendes Glück. Zu tief sitzt der Schock über den Tod eines geliebten Menschen, zu lang ist der Schatten von Missbrauch und Gewalt, von Krieg und Flucht. Zu sehr beraubt fehlende Nahrung und fehlende Bildung Kinder um eine Lebensperspektive. Ja, Ostern ist ein mühsam zu glaubendes Glück“, so die Vizepräses.
„Ostern verändert mich und meine Haltung“
Der Bote Gottes gibt den Frauen den Auftrag, die Hoffnungsbotschaft von der Auferstehung Jesu von den Toten weiterzusagen. Die Auferstehungsbotschaft lebe davon, dass sie weitergesagt werde, macht die Theologin in der Predigt deutlich: „Unsere Welt braucht Menschen, die die neue österliche Wirklichkeit glauben und als Glück begreifen, die sie – und das ist mühsam – leben. Unsere Welt braucht Menschen, die bereit sind, sich aussenden zu lassen auf einen Weg, der ins Suchen und Staunen, ins Schaudern und Fürchten führt. Ostern verändert Menschen. Ostern verändert mich und meine Haltung.“ Abwarten und vertrösten seien angesichts der Auferstehung, die die Logik der Welt durchbricht, keine Option mehr. „Österliche Haltung ist gefragt, die der Logik der Gräber und dem Tod in all seinen Varianten die Stirn bietet, die Machtmissbrauch mit klaren Regeln entgegnet und eigene Fehler einräumt. Österlicher Mut ist gefragt, der in aller Öffentlichkeit den Ernst der globalen Krisen beschreibt, der zur Umkehr zu Solidarität, Gerechtigkeit und Frieden ruft. Österliche Liebe ist gefragt, die zur Heilung der Wunden dieser gebrochenen Welt beiträgt und Menschen zusammenbringt“, sagt Pfarrerin Antje Menn.
Stichwort: Ostern
Ostern ist das wichtigste Fest des Christentums. Zu Ostern feiern Christ*innen die Auferstehung Jesu von den Toten. Die Bibel erzählt, dass das Grab des vor drei Tagen Gekreuzigten leer war. Ein Engel verkündet das Osterwunder: „Der, den ihr sucht, ist nicht hier – er ist auferstanden!“ Die Berichte bebildern die Glaubensüberzeugung der Christ*innen: „Der Tod hat keine Macht über Jesus behalten – denn Gott hat ihn auferweckt.“ Die frohe Botschaft lautet: „Jesus ist auferstanden.“
