Vielfalt in der Kirche: Fortschritte und Herausforderungen

Die Stabsstelle Vielfalt und Gender im Landeskirchenamt legt der Landessynode der rheinischen Kirche alle vier Jahre einen Gleichstellungs- und Diversitätsatlas vor. Der Bericht dokumentiert anhand von Landkarten und Grafiken die Zusammensetzung von Leitungsgremien und die Mitarbeitendenstruktur der Evangelischen Kirche im Rheinland nach Kriterien wie Geschlecht, Alter und beruflicher Zugehörigkeit. Zur Landessynode 2026 ist der neue Atlas erschienen. Irene Diller, Dezernentin der Stabsstelle Vielfalt und Gender der Evangelischen Kirche im Rheinland, ordnet ihn im Kurzinterview ein.

Irene Diller, Dezernentin der Stabsstelle Vielfalt und Gender der rheinischen Kirche

Frau Diller, welche positiven Entwicklungen zeigt der aktuelle Bericht?

Irene Diller: Beim Thema Geschlechterparität haben wir in den Gremien in der Evangelischen Kirche im Rheinland deutliche Fortschritte erzielt. In den Presbyterien und Kreissynoden sind Frauen inzwischen leicht in der Überzahl, bei den Kreissynodalvorständen und der Landessynode noch leicht in der Unterzahl. Ein Meilenstein: Die Kirchenleitung ist erstmalig paritätisch besetzt!

Besonders erfreulich ist die Entwicklung bei den theologischen Positionen in den Kreissynodalvorständen. Der Frauenanteil liegt nun bei 45 Prozent – eine erhebliche Steigerung gegenüber 29 Prozent im Jahr 2017. Diese positive Dynamik lässt hoffen, dass sich auch bei den Superintendentinnen in den nächsten Jahren etwas bewegt. Dieses wichtige Amt ist derzeit noch zu zwei Dritteln beziehungsweise zu 66 Prozent mit Männern besetzt.

Wo sehen Sie Nachbesserungsbedarf?

Diller: Dringender Handlungsbedarf besteht bei der Partizipation junger Menschen. Nach der Jugendsynode im Jahr 2019 wurden Regelungen ins Kirchenorganisationsgesetz aufgenommen: Mindestens eine Person unter 27 Jahren soll ins Presbyterium berufen werden, vier Vertretungen der jüngeren Generation in die Kreissynode. Diese Vorgaben werden bislang nur von wenigen Gemeinden und Kirchenkreisen umgesetzt. Die Zahlen aus dem Atlas müssen hier als Weckruf verstanden werden. Junge Menschen müssen überproportional mitgestalten können, um die Zukunftsfähigkeit der Kirche zu sichern.

Auch bei den Gleichstellungsbeauftragten gibt es erhebliche Defizite. Alle Anstellungsträger mit mehr als 30 Beschäftigten sind verpflichtet, eine Gleichstellungsbeauftragte oder einen Gleichstellungsbeauftragten zu bestellen. Von den 50 Anstellungsträgern, die hierzu Rückmeldung gegeben haben, hat jedoch nur ein Drittel diese Position besetzt.

Welches Fazit ziehen Sie und was sind zukünftige Herausforderungen?

Diller: Die Daten zeigen deutlich: Bei der Besetzung von Gremien ist im Blick auf Vielfalt noch viel Verbesserungspotenzial. Doch der erste Schritt ist die Erhebung des Status quo. Nur wer die Zusammensetzung der eigenen Gremien kennt, kann nachvollziehen, ob Beschlüsse umgesetzt und gesetzliche Vorgaben eingehalten werden.

Gerade für die künftig verstärkt ehrenamtlich gestaltete Arbeit in der Kirche ist es entscheidend zu wissen, welche Kompetenzen vorhanden sind und welche benötigt werden. Eine vielfältigere Besetzung von Gremien eröffnet neue Kontaktflächen und Netzwerke.

Während einige Vielfaltskriterien wie Alter oder Geschlecht bereits erfasst werden, erfordern andere Dimensionen – wie soziale und ethnische Herkunft oder geistige und körperliche Fähigkeiten – einen grundlegenden Wandel in der Haltung. Nur so kann die Diversität unserer Gesellschaft Teil der zukünftigen Gestalt der Kirche werden.

Gleichstellungs- und Diversitätsatlas 2026

Der Gleichstellungs- und Diversitätsatlas der Evangelischen Kirche im Rheinland 2026 ist hier abrufbar.

  • 18.01.2026
  • Simone Becker
  • Red