Politisches Abendgebet: „Als Antwort auf Angst verkünden wir Hoffnung“

Mit einem politischen Abendgebet hat die Landessynode in Zeiten von Angst Hoffnung verkündet. Unter dem Hashtag #lauthoffen wurden Hoffnungsgeschichten geteilt. Gestaltet wurde das Abendgebet von Pfarrerin Charlotte Fischer (Kirchenkreis Bonn), Pfarrer Daniel Müller Thór (Kirchenkreis Jülich) und dem Superintendenten des Kirchenkreises Simmern-Trarbach, Markus Risch.

Glaube als Antwort auf Fragen von Angst und Missbrauch von Macht: diese hoffnungsvolle Perspektive betont Daniel Müller Thór, Pfarrer in den Evangelischen Kirchengemeinden Inden-Langerwehe und Weisweiler-Dürwiß im Kirchenkreis Jülich, in seinem Impuls. Eine persönliche Begegnung mit einem jungen Mann während eines Austauschs mit Christ*innen der United Church of Christ prägt seinen hoffnungsvollen Blick besonders. Dessen Alltag sei von Hass und Menschenfeindlichkeit bestimmt worden. „Er versuchte, dem Hass treu zu bleiben, denn den kennt er. Doch dann begegnet er Menschen, die als Antwort auf Hass Vergebung und Mitgefühl zeigen.“ Mit 24 sei er alleinerziehender Vater geworden. Nun sehe er, wie seine Tochter glücklich im Kindergarten spiele. Seine Perspektive habe sich fortan verändert. Der junge Mann sagt laut Müller Thór dazu: „Es war die bedingungslose Vergebung, die mir von Menschen zuteilwurde, die ich einst zu hassen behauptete.“

Social-Media-Aktion: #lauthoffen

Geschichten wie diese seien selten. „Aber es gibt sie, auch hier und bei uns. Sie schenken mir Hoffnung. Und ich will #lauthoffen“, sagt Müller Thór. Das erfordere, sich scheinbar hoffnungslosen Situationen zu stellen. „Ich wünsche mir diesen Mut in meiner Kirche, den Mut, laut zu hoffen. Hoffnungsgeschichten zu erzählen, immer und immer wieder, gegen alle Angstmacher.“ Passend dazu wurde das politische Abendgebet von einer Social-Media-Aktion begleitet. Unter dem Hashtag #lauthoffen teilen Menschen ihre Hoffnungsgeschichte etwa auf Facebook und Instagram. Wer an der Aktion teilnehmen möchte, findet hier eine Vorlage und Anleitung.

„Jedes theologische Wort ist auch ein politisches“

„Theologisches Nachdenken ohne politische Konsequenzen kommt einer Heuchelei gleich. Jeder theologische Satz muss zugleich auch ein politischer sein.“ Mit diesem Zitat von Dorothee Sölle aus dem Jahr 1968 beginnt die Bonner Pfarrerin Charlotte Fischer ihre Gedanken zur Wahrnehmung von Angst. „Ich bin keine Politik-Expertin. Ich bin Pfarrerin. Ich begegne täglich vielen Menschen. Analog und digital.“ Entsprechend nehme sie viel wahr. „Und das, was ich wahrnehme, macht mir Angst.“ Sie höre von Bedrohung, Gefahr, Verlust, Überfremdung. Angst werde zu einer Kampfansage, tarne sich als Sorge. „Und ich höre, wie diese Angst sich gegen die Kirchen selbst richtet“, sagt Fischer, die auch Mitglied im Theologischen Ausschuss der rheinischen Kirche ist. Auf Social-Media werde sie beschimpft, weil sie sich mit einer Regenbogen-Stola im Talar zeige. „Ich glaube, dass Dorothee Sölle recht hat. Jedes theologische Wort ist auch ein politisches. So auch unseres. Heute Abend. Hier für uns als Erinnerung, Ermahnung und Hoffnung.“

Mächte, Ideologien und einfache Lösungen

Superintendent Markus Risch nimmt die Verführung durch einfache Lösungen in den Fokus. „Sind wir nicht alle in Angst vor dem Morgen, in Sorge vor dem, dass wir am Ende zu kurz kommen?“, fragt er in die Runde. Das sei menschlich – und die Versuchung groß, sich an Mächte, Ideologien oder einfache Lösungen zu klammern. Auch auf Kosten anderer. Dem setzte Risch die erste Barmer These entgegen: „Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.“ Gott komme durch Jesus Christus zu uns und schenke uns durch ihn wahres Heil und wahre Heilung. „Nicht durch Ideologien, nicht durch Parteien, nicht durch menschliche Autorität.“ Dankbar dürfe man den Blick von sich selbst richten – und seine Sorgen auf Gott werfen. „So werden wir frei für andere. Aus dem ,Ich‘ wird ein ,Wir‘.“

  • 19.01.2026
  • Andreas Attinger
  • EKiR/Meike Böschemeyer