Landessynode verurteilt Haltung eines „christlichen“ Nationalismus

Bonn. Die Landessynode 2026 der Evangelischen Kirche im Rheinland hat ihre Sorge ausgedrückt, dass weltweit Religion zunehmend zur Rechtfertigung von gewalttätiger Machtpolitik, reaktionärer Wertvorstellungen und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit genutzt wird. All das verurteilt die rheinische Kirche auf das Schärfste: „Nationalismus und imperiale Machtpolitik widersprechen fundamental der einen allumfassenden Liebe Gottes, wie sie sich in Jesus Christus offenbart.“ Der Beschluss „Wider christlichen Nationalismus und imperiale Machtpolitik“ im Wortlaut:

„Die Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland sieht mit großer Sorge, dass in verschiedenen Ländern weltweit Religion, auch das Christentum, zur Legitimation für Nationalismus, imperiale Machtpolitik und Migrationsfeindlichkeit missbraucht wird. Dabei werden christliche Symbole (z. B. Kreuz), biblische Narrative (z. B. Armageddon, Antichrist) und prominente Personen (z. B. Dietrich Bonhoeffer) in einer Weise umgedeutet, die unserer Haltung und unserer theologischen Einsicht als Evangelische Kirche im Rheinland radikal widerspricht. Der ,christliche‘ Nationalismus adressiert über Netzwerke und digitale Medien in unserem Land Menschen aller Generationen. Dem entgegenzutreten ist eine Bildungsaufgabe, insbesondere für Kirchen.

Es wird ein rassistischer Kampf der Kulturen behauptet. Eng eingewoben in den ,christlichen‘ Nationalismus ist die Retraditionalisierung der Geschlechterrollen und eine Feindschaft gegenüber sexueller und geschlechtlicher Vielfalt.

Dies ist vielfältig beim US-amerikanischen Präsidenten Trump und bei führenden Ver-tretern der MAGA-Bewegung zu sehen. Wir bewundern den Mut und die Klarheit, mit denen sich unsere Partnerkirche, die United Church of Christ (UCC), gemeinsam mit vielen anderen für Gerechtigkeit, Achtung der Menschenrechte und Völkerverständigung einsetzt. In Russland unterstützt die Leitung der Russisch-Orthodoxen Kirche mit Patriarch Kyrill ganz offen die aggressive Machtpolitik Putins. Auch in Europa und Deutschland suchen politische Akteurinnen und Akteure im Umfeld der extremen Rechten eine christliche Legitimation ihrer Politik. Das Christentum wird sinnentstellend als Ressource zur Rechtfertigung gewalttätiger Machtpolitik, reaktionärer Wertvorstellungen und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit verwendet.

In der Tradition der Barmer Theologischen Erklärung ist das nicht die Haltung und Überzeugung der Evangelischen Kirche im Rheinland. Nationalismus und imperiale Machtpolitik widersprechen fundamental der einen, allumfassenden Liebe Gottes, wie sie sich in Jesus Christus offenbart.

Als Synode treten wir zugleich jeder Form machtpolitischer Willkür entgegen. Es gibt kein ,Recht des Stärkeren‘. Gemäß dem biblischen Zeugnis hat Recht vielmehr die Funktion, gerade die Schwächsten der Gesellschaft zu schützen. Menschenrechte und das Völkerrecht wurzeln u. a. in der jüdisch-christlichen Überlieferung und haben universelle Geltung. Sie sind keine Verfügungsmasse politischer Machtpolitik. In ökumenischer Verbundenheit mit unseren Geschwistern weltweit engagieren wir uns für Völkerverständigung und gerechten Frieden.

Eine Kirche, die in der Nachfolge Jesu Christi steht, hat die Aufgabe, allein Gottes Wort zu folgen und zu bezeugen. Sie hat nicht die Aufgabe, Macht zu legitimieren. Deswegen erinnern wir ,an Gottes Reich, an Gottes Gebot und Gerechtigkeit und damit an die Verantwortung der Regierenden und Regierten‘ (Barmen V).

Die Landesynode bittet die Kirchenleitung, den Ständigen Theologischen Ausschuss zu beauftragen, eine theologisch reflektierte Position zu aktuellen nationalistischen Tendenzen zu erarbeiten und Handreichungen und Arbeitsmaterialien zur Verfügung zu stellen. Wir regen an, dass dabei auch weitergearbeitet wird an der Glaubenserklärung ,NextGen-Projekt der EKiR/UCC Daycholah‘.“

  • 20.01.2026
  • Andreas Attinger
  • epd-bild/Christian Ditsch