Breites interreligiöses Bündnis plädiert für Gottesbezug in Saar-Verfassung

Ein breites religionsübergreifendes Bündnis aus christlichen Kirchen, der Synagogengemeinde Saar sowie muslimischen Gemeinden spricht sich für die Aufnahme eines Gottesbezugs in die Präambel der Saarländischen Verfassung aus. „Die Aufnahme eines Gottesbezugs in die Präambel der Saarländischen Verfassung ist Ausdruck historischer und kultureller Kontinuität, identitätsstiftend und ein Beitrag zur Schärfung des verfassungsrechtlichen Werteprofils“, heißt es in einem von Spitzenvertretungen der Religionsgemeinschaften unterzeichneten gemeinsamen Appell. Dieser gemeinsame Schulterschluss in einem politischen Anhörungsverfahren der drei abrahamitischen Religionen sei vermutlich bundesweit einzigartig, betont das Bündnis. 

Die Landesverfassung enthält seit dem Beitritt des Saarlandes zum Bundesgebiet 1957 keine Präambel. Der derzeit vorliegende Entwurf aus dem Herbst 2025 verzichtet auf den Gottesbezug. Am 22. Januar 2026 findet eine Anhörung im Rechtsausschuss des Landtags statt. In einer gemeinsamen Erklärung schlagen die Bistümer Trier und Speyer, die Synagogengemeinde Saar, der Landesverband der Islamischen Kulturzentren Saarland e.V.(VIKZ) und die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) vor, in die Präambel eine Formulierung nach dem Vorbild des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland aufzunehmen: „Im Bewusstsein unserer Verantwortung vor Gott und den Menschen, auf der Grundlage des religiösen und humanistischen Erbes, gibt sich das Volk des Saarlandes die folgende Verfassung.“

Bündnis: Verfassungswerte sind religiöse Werte

Aus Sicht des interreligiösen Bündnisses würde ein Gottesbezug in der Präambel den geschichtlich-kulturellen Ursprung der grundlegenden Verfassungswerte sichtbar machen. „Diese Verfassungswerte – insbesondere Menschenwürde, Menschenrechte und Gerechtigkeit – verdanken sich in hohem Maße den religiösen geschichtlichen Wurzeln“, heißt es in der Begründung der Religionsgemeinschaften. Zwar sei die saarländische Bevölkerung überwiegend christlich geprägt, doch neben anderen Religionen wie insbesondere dem Judentum und dem Islam könnten sich in der vorgeschlagenen Formulierung auch Menschen wiederfinden, die keinen religiösen Bezug haben, die Werte der Verfassung aber dennoch mittragen. Ein Gottesbezug in der Verfassung würde außerdem deutlich machen, dass alle staatliche Macht und Weisheit nicht absolut, sondern begrenzt sei. Damit verbunden sei eine klare Absage an jede Form des Totalitarismus.

Präses Latzel: „Gottesbezug stärkt Schutz von Minderheiten“

Dr. Thorsten Latzel, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, sagt zum Appell: „Als Evangelische Kirche im Rheinland begrüßen wir den Verfassungsänderungsprozess im Saarland sehr, bei dem der Schutz vor Antisemitismus und Antiziganismus im Vordergrund steht. Er stärkt die Verfassungsorgane und den Schutz von Minderheiten in Zeiten, in denen dieser leider von einzelnen gesellschaftlichen Gruppen immer öfter angefeindet wird. Der Evangelischen Kirche ist es in dem Zusammenhang auch ein wichtiges Anliegen, die neue Präambel zu stärken, in der auf Gott Bezug genommen wird – so wie im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Unser freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat lebt von Voraussetzung, die er selbst nicht schaffen kann. Der Bezug auf Gott schützt die unverfügbare Würde aller Menschen, die unbedingte Geltung von Menschenrechten und die Begrenzung staatlicher Macht vor Willkür. Aktuelle Entwicklungen in anderen Ländern zeigen, wie wichtig dieser Bezug ist. Eine Gesellschaft, die nichts über sich hinaus kennt, verliert allzu leicht ihre ethische Orientierung wie ihre Hoffnung in kritischen Zeiten. Die Verantwortung vor Gott schützt die Humanität unserer Gesellschaft. Die aktuellen Krisen zeigen es deutlich: Die Welt ist überfordert mit sich, weil sie eben oft nichts als sich mehr kennt. Ein Gottesbezug in der Saarländischen Verfassungspräambel kann ihren Beitrag leisten, dem entgegenzuwirken.“

 

  • 22.01.2026
  • Ute Kirch/Bistum Trier
  • Ute Kirch/Bistum Trier