Armutsbekämpfung: „Es fehlt eine gesamtgesellschaftliche Strategie“

Bonn. Die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland sieht die Bekämpfung von Armut als eine der größten gesellschaftspolitischen Herausforderungen der kommenden Jahre. Mit einem Beschluss hat sie sich nun verpflichtet, die Bekämpfung von Armut voranzutreiben. Der gesellschaftliche Fokus liege derzeit auf der Diskussion über den Missbrauch von Leistungen „Was wir aber brauchen, ist eine gesamtgesellschaftliche Strategie“, sagte der Synodale Ulrich Hamacher, ehemaliger Geschäftsführer des Diakonischen Werks Bonn und Region.

In dem Beschluss sind Kirche und Diakonie aufgefordert, Armut und Armutsrisiken in den eigenen Strukturen systematisch wahrzunehmen und anzugehen: Zum einen sollen kirchliche Angebote armutssensibel gestaltet werden, besonders mit Blick auf Gebühren, Zugang, Sprache und Orte. Zum anderen sollen Menschen mit Armutserfahrung an Planung und Auswertung des kirchlichen Handelns beteiligt werden. Bund, Länder und Kommunen sollen aufgefordert werden, armutsfeste Regelsätze und existenzsichernde Löhne zu gewährleisten, Kinderarmut und Altersarmut prioritär zu bekämpfen, bezahlbaren Wohnraum zu sichern und soziale Infrastruktur langfristig zu finanzieren.

Bündnisse mit vielen Partnern

Die Kirchenleitung ist beauftragt, diese Forderungen aktiv zu vertreten: in Gesprächen mit Politik und Verwaltung, in Stellungnahmen sowie in Bündnissen mit Zivilgesellschaft und Wohlfahrt. Zudem soll die Kirchenleitung einmalig zweckgebundene Mittel für eine Kampagne zur Verfügung zu stellen, um Armut zum Thema im politischen Diskurs bei Wahlen und in politischen Entscheidungsprozessen zu machen. Die Zusammenarbeit mit vielen verschiedenen gesellschaftlichen Partnern ist dabei ausdrücklich gewünscht.

  • 19.01.2026
  • Christina Schramm
  • Unsplash/towfiqu-barbhuiya-3aGZ7a97qwA